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jemanden/etwas keines Blickes würdigen

Die Redensart jemanden keines Blickes würdigen ist vielen zwar bekannt, aber sie richtig anzuwenden, ist nicht immer einfach. Insbesondere weil bei dieser Redensart oft von Personen die Rede ist, wie z. B.: „Olaf würdigte mich keines Blickes, als er an mir vorbeilief.“ Oder: „Sie kam zu unserem Tisch, sprach mich an und würdigte meine Frau Monika keines Blickes.“

Erste Schwierigkeit: der Kasus-Fall. Oft liest man Formulierungen wie „sie würdigte meiner Frau Monika keines Blickes“. Das ist falsch. Denn die Redewendung verlangt nach dem Akkusativ, was spätestens bei der Kasus-Frage deutlich wird: Wen oder was würdige ich (nicht)? Die Frau: Ich würdigte die Frau keines Blickes. Den Mann: Ich würdigte den Mann keines Blickes. Sie/ihn: Ich würdige sie/ihn keines Blickes.
Genauso verhält es sich, wenn man die Redewendung auf Objekte ummünzt. Denn auch Objekte können natürlich ignoriert werden. „Er würdigte die Blumen keines Blickes.“ oder „Sie würdigte den Schmuck keines Blickes.“

Aber kann man die Redewendung auch umgekehrt verwenden? Ein Beispiel: „Keiner einzigen Blume würdigte er einen Blick.“ oder „Dem Sonnenuntergang würdigte sie an diesem Tag schon gar nicht einen Blick.“
Tatsächlich funktioniert das nicht, da die Redewendung somit zerstört würde. Aber nicht jemandem wird ein Blick gewürdigt, sondern man würdigt jemanden oder etwas mit einem bzw. keinem Blick. Die Redewendung funktioniert daher nur mit „(k)eines Blickes“, folgendes wäre aber alternativ möglich: „Er würdigte die Blume nicht eines Blickes.“ oder „Den Sonnenuntergang würdigte sie an diesem Tag nicht/kaum eines Blickes.“