Kategorie-Archiv: Sprach(un)wissen

Zweimal, zwei Mal, oder doch lieber 2 Mal?

Die Problematik wird schon in der Überschrift ersichtlich. Wird es nun zusammengeschrieben oder getrennt? Erscheint die Zeitung nun zwei Mal im Monat oder zweimal? Und was passiert, wenn die Zahlen immer größer werden? So könnte ein Podcast doch vierundzwanzigmal oder vielleicht vierundzwanzig Mal im Jahr erscheinen. Das liest sich sehr lang. Also vielleicht besser 24 Mal. Oder 24-mal?

Eins nach dem anderen: es heißt zweimal. Denn gemäß dem Duden ist zweimal (und auch alle anderen Male!) ein Zahlwort. Wenn ich also schon fünfmal in Spanien war, habe ich es schon ganze fünf Male geschafft, dorthin zu reisen. Insgesamt fünfmal. Fünfmal bezieht sich in dem Fall auf alle fünf Male zusammengezählt.

Wenn ich mich nur auf ein bestimmtes Mal beziehe, sieht die Sache anders aus. Zum Beispiel: „Ich erkläre dir das doch jetzt schon zum hundertsten Mal!“ Da beziehe ich mich ja nur auf das eine Mal (das zufällig nicht das erste Mal, sondern sogar schon das hundertste Mal ist). Aber: „Ich habe es dir doch schon hundertmal erklärt.“ Alles klar? 🙂

Und was ist jetzt mit langen komplizierten Zahlen? Muss ich dann jemandem schreiben, dass ich schon zweihundertachtundzwanzigmal mit dem Zug gefahren bin? Nein, natürlich nicht! Bei solch immensen Zahlen, die ausgeschrieben kaum noch lesbar sind, kann man natürlich ohne Probleme auf die Ziffern zurückgreifen. Aber um in der Logik der Regel zu bleiben, nämlich dass es sich um ein zusammengeschriebenes Wort handelt, muss es lauten: 228-mal. Aber: „Ich bin heute zum 228. Mal Zug gefahren.“

Die gleiche Regel gilt im Übrigen auch für kleine Zahlen. Ich kann also fünfmal schon in Spanien gewesen und 3-mal in Italien gewesen sein. Nur einheitlich sollte es sein, sonst sieht es unschön aus. Und in wissenschaftlichen Texten gilt ohnehin: alle Zahlen von eins bis zwölf werden ausgeschrieben, erst ab 13 werden die Zahlen mit Ziffern geschrieben.

auf den Magen schlagen – den Appetit verschlagen – den Magen verschlagen?

Neulich las ich einen Satz, der mich stutzig machte: „Es ziemt sich nicht, nichts zu essen. Alle werden denken, dir hätte es den Magen verschlagen.“ Dies sagte eine Mutter zu ihrer Tochter, ohne zu wissen, warum ihre Tochter nicht aß. Als Leser weiß man sofort, was damit gemeint sein soll: Etwas hat offenbar dafür gesorgt, dass die Tochter keinen Appetit hat. Oder dass Magenschmerzen sie plagen. Läuft ja beides aufs Gleiche hinaus. Aber irgendwie klingt es doch befremdlich. Kann es einem den Magen verschlagen?

Nein, kann es nicht. Tatsächlich handelt es sich um eine Mischform zwei verschiedener Redensarten, jedoch ergibt die neu erfundene Mischung keinen richtigen Sinn. Die ursprünglichen Redensarten sind: etwas verschlägt einem den Appetit oder aber jemand/etwas schlägt einem auf den Magen.Schauen wir uns die Bedeutung der beiden genauer an:

etwas verschlägt einem den Appetit: In diesem Kontext bedeutet „verschlagen“ gemäß dem Duden, dass einem ein Gefühl, eine Fähigkeit o. ä. (der Appetit) eine Zeit lang genommen wird, für gewöhnlich durch einen äußeren Einfluss. Beispiele: „Der Geruch des vergammelten Obstes verschlug ihm den Appetit.“ oder „Der Anblick der Kakerlaken verschlug ihr den Appetit.“

jemand/etwas schlägt einem auf den Magen: Das Wort „schlagen“ ist in diesem Kontext als zerstörerisch zu verstehen. Denn ein äußerer Einfluss (jemand/etwas) wirkt sich schädigend auf etwas aus, zum Beispiel auf ein Organ. Meistens handelt es sich bei den äußeren Einflüssen um etwas Ängstigendes oder als unangenehm Empfundenes. So kann sich also jemand/etwas unangenehm in einem Organ (dem Magen) bemerkbar machen (vgl. Duden). Beispiele: „Die Kündigung schlug ihm auf den Magen.“ (Achtung: Perfektbildung mit „ist“: Die Kündigung ist ihm auf den Magen geschlagen.) oder „Der Streit mit ihrer Tochter schlug ihr auf den Magen“.

Fazit: Zusammengefasst kann man sagen, dass der Appetit vor allem durch plötzliche, äußere Einflüsse verschlagen wird (ein unangenehmer Geruch, ein Gestank, ein ekliger Anblick und dergleichen), während Dinge, die einem auf den Magen schlagen, also ggf. auch Magenbeschwerden auslösen, eher mit persönlichen Belastungen zu tun haben (schlechte Nachrichten, Streitgespräche, Liebeskummer und dergleichen). Nicht umsonst sagt man auch „Stress schlägt auf den Magen.“ Die Folge ist natürlich die Gleiche: Wenn einem etwas den Magen verschlägt, führt das ohnehin zu Appetitlosigkeit.

„Alle werden denken, dir hätte es den Magen verschlagen.“ Zurück zum Ausgangssatz, der mich zurecht stutzen ließ. Die Mutter weiß wie gesagt nicht, warum ihre Tochter nichts essen mag. Sie kann also nur mutmaßen, dass ihr etwas den Appetit verschlagen hat. Oder dass ihr etwas auf den Magen geschlagen ist.

effektiv und effizient – worin besteht der Unterschied?

Ist es nun effektiv oder effizient? Immer wieder stolpere ich über Texte, in denen diese beiden Wörter scheinbar willkürlich verwendet werden bzw. die genaue Verwendung nicht ganz klar ist. Sie klingen so ähnlich, haben jedoch eine vollkommen unterschiedliche Bedeutung. Schaut man sich die jeweilige Bedeutung im Duden an, so heißt es:

effektiv = wirksam, wirkungsvoll bzw. lohnend, nutzbringend
effizient = wirksam und wirtschaftlich

Beide Bedeutungen klingen zunächst sehr ähnlich und verwirren daher umso mehr. Dabei ist der Unterschied ganz einfach: effektiv bezieht sich auf das Ergebnis, während effizient den Prozess beschreibt, also wie man zum Ergebnis kommt.

Ein Beispiel: Ich arbeite als Maurer und baue ein Haus. Wenn ich das Haus effektiv baue, habe ich ein gutes Ergebnis (einen guten Effekt) erzielt. Das Haus steht, die Proportionen stimmen, alles sieht super aus. Aber vielleicht habe ich nicht sehr effizient gearbeitet, also nicht sehr wirtschaftlich. Wirtschaftlich bedeutet in dem Fall: nicht sehr zeit- und kosteneinsparend. Möglicherweise habe ich zu teures Baumaterial gekauft und mehrmals wieder von vorne angefangen, um die perfekte Bauweise auszuprobieren. Dadurch habe ich Zeit verloren. Das Ergebnis am Ende ist gut, aber ich habe viel Zeit und Geld verloren.

Andersherum ist es auch möglich: ich habe mein Haus sehr effizient gebaut, aber nicht sehr effektiv. Heißt, ich habe preiswertes Material gekauft und das Haus in kurzer Zeit gebaut. Ich war sehr effizient. Aber: die Statik des Hauses ist schlecht, das Haus steht sogar schief, es droht vielleicht sogar einzustürzen. Ich habe also nicht sehr effektiv gearbeitet.

Optimal ist es natürlich, effizient und effektiv zu arbeiten, also zeit- und kostensparend ein gutes Ergebnis zu erreichen 🙂

in seine Gedanken vertieft/in seinen Gedanken vertieft

Er war so vertieft in seine Gedanken. ODER: Er war so vertieft in seinen Gedanken. Was ist korrekt?

Eine eindeutige Antwort gibt es hierauf nicht, ich empfehle jedoch die erste Variante: vertieft in seine Gedanken. Dazu muss man sich nur überlegen, wie man danach fragt: In wen oder was (Kasus-Fall: Akkusativ) war er vertieft? In die Gedanken/in seine Gedanken.

Würde man sich auf die Präposition in beziehen und danach fragen, wo (bzw. worin) er vertieft war, dann wäre sowohl der Dativ (in seinen Gedanken) als auch der Akkusativ (in seine Gedanken) richtig. Insofern geht also beides, die erste Variante klingt aber meiner Meinung nach schöner.

jemanden/etwas keines Blickes würdigen

Die Redensart jemanden keines Blickes würdigen ist vielen zwar bekannt, aber sie richtig anzuwenden, ist nicht immer einfach. Insbesondere weil bei dieser Redensart oft von Personen die Rede ist, wie z. B.: „Olaf würdigte mich keines Blickes, als er an mir vorbeilief.“ Oder: „Sie kam zu unserem Tisch, sprach mich an und würdigte meine Frau Monika keines Blickes.“

Erste Schwierigkeit: der Kasus-Fall. Oft liest man Formulierungen wie „sie würdigte meiner Frau Monika keines Blickes“. Das ist falsch. Denn die Redewendung verlangt nach dem Akkusativ, was spätestens bei der Kasus-Frage deutlich wird: Wen oder was würdige ich (nicht)? Die Frau: Ich würdigte die Frau keines Blickes. Den Mann: Ich würdigte den Mann keines Blickes. Sie/ihn: Ich würdige sie/ihn keines Blickes.
Genauso verhält es sich, wenn man die Redewendung auf Objekte ummünzt. Denn auch Objekte können natürlich ignoriert werden. „Er würdigte die Blumen keines Blickes.“ oder „Sie würdigte den Schmuck keines Blickes.“

Aber kann man die Redewendung auch umgekehrt verwenden? Ein Beispiel: „Keiner einzigen Blume würdigte er einen Blick.“ oder „Dem Sonnenuntergang würdigte sie an diesem Tag schon gar nicht einen Blick.“
Tatsächlich funktioniert das nicht, da die Redewendung somit zerstört würde. Aber nicht jemandem wird ein Blick gewürdigt, sondern man würdigt jemanden oder etwas mit einem bzw. keinem Blick. Die Redewendung funktioniert daher nur mit „(k)eines Blickes“, folgendes wäre aber alternativ möglich: „Er würdigte die Blume nicht eines Blickes.“ oder „Den Sonnenuntergang würdigte sie an diesem Tag nicht/kaum eines Blickes.“

Er war nie in diesem/dieses Haus eingekehrt

Er war nie in diesem Haus(e) eingekehrt. ODER: Er war nie in dieses Haus eingekehrt. Was ist korrekt? Die Frage ist nun also, ob man in das Haus einkehrt (Akkusativ) oder in dem Haus einkehrt (Dativ). 


Tatsächlich ist hier beides möglich. Denn die Präposition „in“ kann sowohl im Dativ als auch im Akkusativ verwendet werden. Man kann fragen: Wo war er nie eingekehrt (Dativ)? In dem Haus. Oder aber: In wen oder was war er nie eingekehrt (Akkusativ)? In das Haus bzw. in dieses Haus. Siehe auch: Kasus – Die 4 Fälle.


Laut Duden ist im Zusammenhang mit dem Verb einkehren die Dativ-Variante die gängigere: in einem Wirtshaus einkehren. Aber auch Akkusativ ist erlaubt, wird aber eher selten verwendet: In ein Wirtshaus einkehren.



Quellen:

Mit dem in weiße/r Farbe getunkten Pinsel

Stellen wir uns folgenden Satz vor: Mit dem in weißer Farbe getunkten Pinsel fing sie an, die Wand zu bemalen. ODER: Mit dem in weiße Farbe getunkten Pinsel fing sie an, die Wand zu bemalen. Was ist in dem Fall korrekt?
Korrekt ist die zweite Variante, mit dem in weiße Farbe getunkten Pinsel. Es handelt sich hierbei um den Dativ, was anhand der Kasus-Frage deutlich wird: Mit wem bzw. womit fing sie an, die Wand zu bemalen? Mit dem Pinsel, der in weiße Farbe getunkt ist. Und in wen oder was (Akkusativ) ist der Pinsel getunkt? In die weiße Farbe. Also ist es ein in weiße Farbe getunkter Pinsel.

sie ließ sich auf dem Sofa fallen vs. sie ließ sich auf das Sofa fallen

Sie ließ sich auf dem Sofa fallen. ODER: Sie ließ sich auf das Sofa fallen. Welche Variante ist korrekt?

Die zweite: Sie ließ sich auf das Sofa fallen. Da es sich hierbei um eine Bewegung (sich fallen lassen) handelt, erfordert dieser Satz den Akkusativ. Das wird spätestens bei der Kasus-Frage deutlich: Auf wen oder was lasse ich mich fallen? Auf das Sofa, auf den Stuhl, auf das Bett, auf die Liege, auf den Boden etc.
Anders sieht es natürlich aus, wenn es sich nicht mehr um eine Bewegung handelt, sondern um einen Zustand, wie etwa: sie liegt auf dem Sofa, er steht auf dem Stuhl usw.