auf den Magen schlagen – den Appetit verschlagen – den Magen verschlagen?

Neulich las ich einen Satz, der mich stutzig machte: „Es ziemt sich nicht, nichts zu essen. Alle werden denken, dir hätte es den Magen verschlagen.“ Dies sagte eine Mutter zu ihrer Tochter, ohne zu wissen, warum ihre Tochter nicht aß. Als Leser weiß man sofort, was damit gemeint sein soll: Etwas hat offenbar dafür gesorgt, dass die Tochter keinen Appetit hat. Oder dass Magenschmerzen sie plagen. Läuft ja beides aufs Gleiche hinaus. Aber irgendwie klingt es doch befremdlich. Kann es einem den Magen verschlagen?

Nein, kann es nicht. Tatsächlich handelt es sich um eine Mischform zwei verschiedener Redensarten, jedoch ergibt die neu erfundene Mischung keinen richtigen Sinn. Die ursprünglichen Redensarten sind: etwas verschlägt einem den Appetit oder aber jemand/etwas schlägt einem auf den Magen.Schauen wir uns die Bedeutung der beiden genauer an:

etwas verschlägt einem den Appetit: In diesem Kontext bedeutet „verschlagen“ gemäß dem Duden, dass einem ein Gefühl, eine Fähigkeit o. ä. (der Appetit) eine Zeit lang genommen wird, für gewöhnlich durch einen äußeren Einfluss. Beispiele: „Der Geruch des vergammelten Obstes verschlug ihm den Appetit.“ oder „Der Anblick der Kakerlaken verschlug ihr den Appetit.“

jemand/etwas schlägt einem auf den Magen: Das Wort „schlagen“ ist in diesem Kontext als zerstörerisch zu verstehen. Denn ein äußerer Einfluss (jemand/etwas) wirkt sich schädigend auf etwas aus, zum Beispiel auf ein Organ. Meistens handelt es sich bei den äußeren Einflüssen um etwas Ängstigendes oder als unangenehm Empfundenes. So kann sich also jemand/etwas unangenehm in einem Organ (dem Magen) bemerkbar machen (vgl. Duden). Beispiele: „Die Kündigung schlug ihm auf den Magen.“ (Achtung: Perfektbildung mit „ist“: Die Kündigung ist ihm auf den Magen geschlagen.) oder „Der Streit mit ihrer Tochter schlug ihr auf den Magen“.

Fazit: Zusammengefasst kann man sagen, dass der Appetit vor allem durch plötzliche, äußere Einflüsse verschlagen wird (ein unangenehmer Geruch, ein Gestank, ein ekliger Anblick und dergleichen), während Dinge, die einem auf den Magen schlagen, also ggf. auch Magenbeschwerden auslösen, eher mit persönlichen Belastungen zu tun haben (schlechte Nachrichten, Streitgespräche, Liebeskummer und dergleichen). Nicht umsonst sagt man auch „Stress schlägt auf den Magen.“ Die Folge ist natürlich die Gleiche: Wenn einem etwas den Magen verschlägt, führt das ohnehin zu Appetitlosigkeit.

„Alle werden denken, dir hätte es den Magen verschlagen.“ Zurück zum Ausgangssatz, der mich zurecht stutzen ließ. Die Mutter weiß wie gesagt nicht, warum ihre Tochter nichts essen mag. Sie kann also nur mutmaßen, dass ihr etwas den Appetit verschlagen hat. Oder dass ihr etwas auf den Magen geschlagen ist.

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